Neben dem neuesten vierteljährlichen Brief finden Sie auf dieser Seite auch die Archive vergangener Briefe, die im PDF-Format (Acrobat) heruntergeladen werden können, die neuesten Besuchsberichte unseres Direktors und die externen Bewertungsberichte.

BRIEF AN DIE FREUNDE VON SCHWESTER EMMANUELLE

« Glaube an die anderen: Sie sind vom selben Verlangen nach Gerechtigkeit beseelt. Habe keine Angst davor, ihren Kampf zu unterstützen. Die Einigkeit der Jugend ist eine wunderbare Kraft. Glaube an dich, so wie ich an dich glaube, glaube an den anderen wie an dich.» (Schwester Emmanuelle)

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

 

Enlight3613Von links nach rechts : Camilla François, Véronique de Haan, Soraya Chmouliovsky, Lucienne Bittar, Fabienne Lebedinsky, Betram Gordon Kuol, Florence Rivollet, Dominique Mougeotte, Jean Claude François, Gisèle Rochat, Lionel Teminian, Patrick Bittar (hockend)… und Sam

am 27.Mai haben wir unsere 47. Generalversammlung im Cénacle in Genf abgehalten: die für unsere Projekte vor Ort Verantwortlichen, Betram Gordon Kuol aus dem Südsudan und Jean Claude Francois aus Haiti, waren anwesend (siehe Foto).

So konnten wir einen Überblick unserer Projekte im Jahr 2025 geben und durch die Berichte von Betram und Jean Claude deren Fortschritt unter den besonders schwierigen Umständen mitverfolgen.

Ich möchte die Gelegenheit nützen und allen unseren Mitgliedern sowie den Freunden und Geldgebern unseres Vereins für ihre Unterstützung zu danken, die so entscheidend ist für die Bevölkerung dieser beiden Katastrophengebiete.

Im Südsudan findet gerade der 18. Durchgang der Berufsausbildung statt.
Mit Ende 2025 haben ungefähr 6500 junge Erwachsene seit Einrichtung dieses für die Bewohner der Region so wichtigen Projekts von der Gratisausbildung profitiert.

Aber der Ruf des Zentrums für Berufsbildung und Gemeindeentwicklung in Lologo ist heute auf nationaler Ebene so gut, dass die Nachfrage der lokalen Bevölkerung von Jahr zu Jahr größer wird: für die gerade laufenden Ausbildungskurse war die Zahl der Bewerber doppelt so hoch wie im Vorjahr, viermal so hoch wie 2024 und fünfmal so hoch wie 2023!
So musste unser Partner vor Ort, die Vinzenzgemeinschaft Juba, 480 Personen (davon 41% Frauen) aus den 3320 Bewerbern für die neun Berufsausbildungen, die heuer angeboten wurden, auswählen.

Die Nachfolgestudie des vergangenen Jahres, die ein Spektrum von 41% der Absolventen 2024 erfasste, hat gezeigt, dass einige Monate nach Ausbildungsende keiner der Absolventen arbeitslos war und 56% finanziell unabhängig waren (nach den Kriterien des Mindestgehalts).
17% studierten an einer Universität, 11% machten eine Zusatzausbildung und 4% waren in einem Praktikum bei verschiedenen Firmen.

Das Projekt Be In Hope (BIH) für Straßenkinder hat Anfang des Jahres fünf neue Kinder aufgenommen, um die fünf Abgänger zu ersetzen, die das Projekt verlassen mussten, da sie die Altersgrenze Ende 2025 erreichten und über ein Projekt der Vinzenzgemeinschaft mit ihren Familien wieder zusammengeführt werden sollen.

Die Geschichten, welche die Burschen auf die Straße geführt haben, sind dramatisch und ergreifend.

Solomons Familie verließ Khartum, als 2022 der Krieg im Sudan ausbrach. Sein Vater, ein Soldat, wurde im Kampf getötet. Dessen Kameraden sorgten dafür, dass die Familie nach Juba flüchten konnte. Sein Großvater, bei dem die Familie unterkam, starb ein Jahr später. Die Mutter, die als Abwäscherin in einem Restaurant arbeitete, wurde krank und verstarb nach einem Jahr. Als Waise ohne jegliche Unterstützung begann Solomon (13 Jahre) Flaschen und gefährliche Stoffe zu sammeln, um irgendwie zu überleben.

Pati PitiaPati (12 Jahre, siehe Foto gegenüber, bevor er in das Projekt aufgenommen wurde) wurde auf dem Konyokonyo Markt geboren. Seine obdachlose Mutter fand Unterkunft bei einer Schwester in Lologo. Pati, der seinen Vater nicht kennt, wurde nie eingeschult und hatte Probleme, genug Nahrung zu finden. Seine Mutter trinkt viel und hat psychische Probleme. Eines Tages sagte sie zu ihm, er solle auf den Markt zurückkehren, dorthin, wo er geboren worden war.

Der Vater von Andrew (12 Jahre) hat dessen Mutter verlassen, als sie mit ihm schwanger war. Andrew wurde auf dem Konyokonyo Markt geboren und hat dort mit seiner Mutter vom Betteln gelebt. Seine Mutter ist dem Alkohol verfallen und hat drei weitere Kinder von verschiedenen Vätern geboren. Dann hat sie geheiratet und Töchter geboren. Nach einiger Zeit hat der Stiefvater alle Kinder, die nicht von ihm waren, verstoßen... Andrew lebte auf dem Markt in Rajaf (dem Ort, wo sich das Heim Be In Hope befindet) von Essensresten. Seine Mutter verschwand regelmäßig tagelang, um auf den Konyokonyo Markt zurückzukehren.

Die Mutter von Noël (15 Jahre) trennte sich von seinem Vater, nachdem dieser nach einem Motorradunfall psychische Probleme bekam. Sie heiratete einen Mann, der Noël nicht mochte und sich weigerte, ihn bei sich aufzunehmen.

Die Aufnahme dieser Burschen in das Projekt BIH garantiert ihnen sofort einen sicheren, stabilen und gesunden Rahmen.
Mittelfristig werden sie wieder Vertrauen aufbauen können – in Erwachsene, ihre Kameraden und ... sich selbst.
Langfristig sollte das Projekt ihnen ermöglichen, sich wieder in die Gesellschaft einzufügen, wie die anderen Burschen vor ihnen.

Daher sind wir stolz auf den Weg von fünf ehemaligen Betreuten, die heute dank dem Patenschaftsprojekt der Vinzenzgemeinschaft studieren:
- Thokwat studiert im dritten Jahr Medizin an der Universität Haramaya in Äthiopien ;
- Phillip ist im 2. Jahr seiner Ausbildung zum Laboranten an der Upper Nile Universität in Malakal, Südsudan ;
- Ajuot studiert Politikwissenschaften im ersten Jahr an der Universität in Juba ;
- Die Brüder Simon und Koang sind im ersten Jahr an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Lanet Liyana in Äthiopien.

Das Projekt BIH ist zwar bescheidener als das Projekt zur Berufsausbildung, erfordert aber ein langfristiges Engagement: Wir entlassen unsere ehemaligen Schützlinge nicht „in die freie Natur“, die im Südsudan so hart sein kann.
So hat die Vinzenzgemeinschaft kürzlich auf eine Bitte um Hilfe von Thokwath (siehe oben) reagiert: Er litt seit einem Jahr an Augenproblemen und bekam keine zufriedenstellende Diagnose in den öffentlichen äthiopischen Krankenhäusern. Mit einer kleinen Geldsumme, die ihm im Mai gewährt wurde, konnte er eine Privatklinik aufsuchen und Behandlung gegen die Entzündung und Verstopfung gewisser Drüsen bekommen, welche Augentrockenheit und ständiges Kribbeln verursachten. Ohne Behandlung hätte das zu einer Lidrandentzündung und einem Glaukom geführt.

Wir danken Ihnen von Herzen für Ihr Vertrauen und Ihre Großherzigkeit.

TWINT Individueller Betrag DE

Dank Ihrer Treue können wir wesentliche Bedürfnisse erfüllen und diesen Kindern und Jugendlichen eine echte Chance bieten, ihre Zukunft zu gestalten.

Florence Rivollet

Präsidentin