Neben dem neuesten vierteljährlichen Brief finden Sie auf dieser Seite auch die Archive vergangener Briefe, die im PDF-Format (Acrobat) heruntergeladen werden können, die neuesten Besuchsberichte unseres Direktors und die externen Bewertungsberichte.
BRIEF AN DIE FREUNDE VON SCHWESTER EMMANUELLE
« Wenn du geliebt, geteilt und das Glück der anderen gewollt hast, hast du Taten der Liebe vollbracht, die nie sterben werden.» (Schwester Emmanuelle)
Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
Am 10. Juni ist Kamal Tadros in Australien gestorben, wo er seit 15 Jahren bei seiner Tochter und den Enkelkindern lebte. Er wurde 91 Jahr alt.
Kamal war der Generalsekretär der Vinzenzgemeinschaft des Sudan und derjenige, der die Projekte von ASASE etwa dreißig Jahre lang in Khartum umgesetzt hat.
Gemeinsam mit Sr Emmanuelle und Michel Bittar war er eine der Stützen, mit deren Hilfe sich diese Projekte entwickeln konnten, in einer feindlich gesinnten Umgebung mitten in einem nicht enden wollenden Bürgerkrieg.
Ich hatte das Glück, ihn sehr jung kennen zu lernen – er war ein Freund unserer Familie geworden – und später mit ihm zusammen zu arbeiten. Daher weiß ich, in welchem Ausmaß der Erfolg unserer aktuellen Projekte im Südsudan ihm geschuldet ist.
Die Geschichte von Kamals Engagement an unserer Seite begann vor vierzig Jahren, als Sr Emmanuelle auf Bitten von Michel Bittar sich nach Khartum begeben hatte, um sich einen Eindruck von der Lage der heimatvertriebenen Menschen zu machen und herauszufinden, wie man ihnen helfen könnte. In meinem Dokumentarfilm aus dem Jahre 2005 (Les enfants du Nil – 1ère partie) erzählt Kamal:
Nachdem ich mich entschieden hatte, meine Arbeit bei Shell Oil zu kündigen, gründete ich mit meinem Schwager ein Geschäft für Autoersatzteile. Seit Jahren hatte ich mich schon in der Vinzenzgemeinschaft engagiert. Eines Tages, ich war gerade in unserem Geschäft, kam Sr Emmanuelle, von der ich noch nie etwas gehört hatte, zur Tür herein und fragte mich: „Interessiert dich das Schicksal der Straßenkinder? – Was meinen Sie mit ‚interessieren’? – Ich meine, du gibst dieses Geschäft auf, kommst mit mir und gründest eine Organisation, die sich um kleine Kinder kümmert. “Ich antwortete: „Einverstanden.“ Ich habe ihren Vorschlag sofort angenommen, ohne dass ich um Einzelheiten gewusst habe.
Und so wurde 1986 das erste Waisenhaus gegründet, für Buben, die Kamal von der Straße holte. 28 Jahre lang wurden auf diese Weise mehr als 10 000 Kinder (darunter auch Mädchen) in Familien ähnliche Strukturen aufgenommen.
Dann setzte Kamal mit der Zeit ein Projekt der Bambusschulen um, das zum Teil von ASASE unterstützt wurde, das bis zu 70 000 Kinder unterrichtete und sie mit einer täglichen Mahlzeit und Wasser versorgte.
„Aber die islamischen Behörden haben uns bald Probleme gemacht: Sie haben mehr als 30 Bambusschulen zerstört und die Lehrer festgenommen.“
1994 wurde Kamal 14 Tage unter sehr harten Bedingungen ins Gefängnis gebracht. Dank der Intervention von Sr Emmanuelle bei der Regierung des Landes wurde er schließlich freigelassen.
Dieser Mann mit dem einfühlsamen Herzen und dem eisernen Willen schuf und führte mit seinen Teams in Khartum und unserer Hilfe in Genf zahlreiche andere Projekte: Berufsausbildung (20 Jahre lang, mehr als 2 000 Erwachsene wurden pro Jahr ausgebildet), Kinderernährung (12 Jahre lang 6 000 Kinder pro Jahr), Kliniken, Hilfe für Frauen in den Gefängnissen, Trinkwasser...
Bevor Betram Gordon Kuol Vorsitzender der Vinzenzgemeinschaft Juba, Südsudan, wurde (unser Partner vor Ort), arbeitete er jahrelang an der Seite von Kamal in Khartum. Oft wiederholte er, das Beispiel Kamals habe sein unermüdliches Engagement für seine ärmsten Mitbürger inspiriert.
Hier ist ein Auszug der tiefen Ehrerbietung, die er anlässlich des Todes seines Mentors geschrieben hat:
„Kamal hat das verkörpert, was wenige von uns sich vorstellen können: bedingungslose Hingabe, grenzenlose Liebe, altruistische Güte und ein unerschöpflicher Glaube.
Er hat sich selbst vergessen, um anderen zu helfen.
Durch seine Hingabe hat er einer ganzen Generation vulnerabler Jugendlicher geholfen zu wachsen und den vergessenen Gemeinschaften im Sudan und Südsudan neue Hoffnung geschenkt.
Wenn unser Herz heute schwer ist, sind wir trotzdem reich, weil wir ihn kennen durften und sein Werk lebt in jedem einzelnen von uns.
Kamal hat sich nicht damit zufriedengegeben, den Armen zu dienen: Er ist ihnen ein Familienmitglied geworden...
In einer Welt, die sich nur um sich selbst dreht, hat er Verzicht gewählt und sein ganzes Leben denjenigen gewidmet, die absolut nichts hatten.
Dank ihm haben vergessenen Kinder ihre menschliche Würde wieder gefunden und zerbrochene Gemeinschaften neue Hoffnung geschöpft...
In ihm war das vereint, was die Welt am dringendsten braucht: Leidenschaft, die sehend ist, Liebe, die beständig ist, Güte, die heilt und einen Glauben, der unterstützt.
Sein Leben war bedingungslose Hingabe, damit andere Nahrung, Bildung, Hoffnung und die Gegenwart Gottes erfahren können.
Die jungen Menschen, denen er geholfen hat zu wachsen, und die Gemeinschaften, denen er gedient hat, sie sind sein lebendiges Erbe im Sudan und Südsudan.
Heute weinen wir um einen Mann, aber wir feiern ein Leben, das bewiesen hat, dass ein einziger Mensch, der sich den anderen widmet, eine Generation verändern kann. »
Zwei Gedenkgottesdienste (im Juni und im September) wurden in der Kathedrale von Juba gefeiert: Hunderte Menschen in T-Shirts mit Kamals Porträt, welche mit ihm gearbeitet oder von seiner Hilfe profitiert haben, versammelten sich.
Ein Beispiel ist William Akech, ehemaliger Teilnehmer am Projekt für Straßenkinder der Vinzenzgemeinschaft Khartum.
Er ist aktuell der Leiter desselben Projekts in der Vinzenzgemeinschaft Juba. Auch Peter Tadros, Kamals Neffe und Vorsitzender der Vinzenzgemeinschaft Khartum bis 2023, als der Bürgerkrieg ausbrach, war anwesend. Seine Familie
5.September: Gedenkfeier in Juba: Betram in der Mitte mit Peter Tadros zu seiner Rechten und William Akech (mit der Sonnenbrille)

ist deswegen nach Kairo geflohen. Er hat in Juba eine Gebärklinik eröffnen...
Patrick Bittar
Direktor
ARCHIV
Newsletters
BERICHTE
Besuchsbericht des Direktors
- Oktober 2025 (in French)
- Oktober 2024 (in French)
- November 2023 (in French)
- November 2022 (in French)
- Oktober 2021 (in French)
- September 2019 (in French)
- September 2018
- March 2017
- March 2017 - Be In Hope Program
- March 2016
